Weiße Rebsorte
Vilana — Kretas sanfter Weißwein-Klassiker
Steckbrief
Weiß
Heraklion, Kreta
Kreta, Heraklion, Peza
Trocken, leicht, zitrusbetont, kräutrig
11,5–13,0 %
Geschmacksprofil
Vilana im Glas zeigt ein blasses Strohgelb mit grünlichen Reflexen — eine unauffällige Erscheinung, die auf den zurückhaltenden Charakter dieser Sorte vorbereitet. In der Nase entfaltet sich ein dezentes, aber feines Bouquet: Zitrusblüte und Limette bilden den aromatischen Rahmen, ergänzt durch Noten von grünem Apfel, unreifer Birne und einem Hauch frischer Kräuter — Salbei, wilder Thymian und eine Spur Kamille. In der zweiten Schicht erscheint eine dezente nussige Komponente, die an grüne Mandeln erinnert.
Am Gaumen ist Vilana leicht und erfrischend, mit einer moderaten Säure, die dem Wein Frische verleiht, ohne dominant zu wirken. Der Körper ist schlank bis mittel, die Textur seidig und unkompliziert. Noten von Grapefruit, weißem Pfirsich und einem mineralischen Unterton ergänzen das Geschmacksbild. Der Abgang ist mittellang, sauber und von einer leichten, angenehmen Bitterkeit geprägt, die an Kamillenblüte erinnert. Vilana ist ein Wein, der nicht beeindrucken will, sondern begleiten — ein ehrlicher, bodenständiger Weißwein, der seine Herkunft mit Bescheidenheit kommuniziert. Bei akribischer Kellertechnik — wie Alexakis sie betreibt — gewinnt Vilana an Spannung und Komplexität, bleibt aber stets auf der Seite der Eleganz.
Wo wächst Vilana?
Kreta, die Wiege der europäischen Zivilisation, ist die Heimat der Vilana. Die Rebsorte konzentriert sich auf die Weinbauregion um Heraklion, die Hauptstadt der Insel, und insbesondere auf das PDO-Gebiet Peza — eine der ältesten und traditionsreichsten Appellationen Griechenlands. Peza liegt im Hinterland von Heraklion, auf 250–600 Metern Höhe, eingebettet zwischen den Bergen des Psiloritis-Massivs und der Küste.
Die Böden in Peza bestehen vorwiegend aus Kalkstein und Ton, durchsetzt mit Kies und steinigem Material. Die Drainage ist hervorragend, die Erträge natürlich begrenzt. Das Klima ist mediterran, aber die Höhenlage und die Nähe der Berge sorgen für deutliche Tag-Nacht-Temperaturschwankungen, die der Säureerhaltung zugutekommen — ein kritischer Faktor für eine Sorte, die naturgemäß zu schnellem Säureverlust neigt.
Alexakis bewirtschaftet Vilana-Parzellen auf 200–400 Metern Höhe und setzt auf kühle Nacht-Ernte und temperaturkontrollierte Vergärung. Der Fokus liegt darauf, die natürliche Frische der Sorte zu bewahren und gleichzeitig genug aromatische Komplexität zu extrahieren.
Außerhalb von Peza wächst Vilana auch in den Regionen Archanes und Dafnes sowie vereinzelt im Westen Kretas. Doch Peza bleibt der Referenzpunkt — hier hat die Sorte über Jahrhunderte ihr Terroir gefunden. Es ist bemerkenswert, dass Vilana fast ausschließlich auf Kreta vorkommt — ein Zeichen für ihre tiefe Verwurzelung in der Inselkultur und ihre spezifische Anpassung an das kretische Klima.
Geschichte und Bedeutung
Vilana ist eine der Rebsorten, die das Wort 'autochthon' verdient — sie ist auf Kreta heimisch und nirgendwo sonst. Ihre Geschichte ist untrennbar mit der kretischen Weinbautradition verbunden, die zu den ältesten der Welt gehört. Archäologische Funde in Vathypetro, einem minoischen Landgut südlich von Archanes, belegen Weinproduktion auf Kreta seit mindestens 1600 v. Chr. — die dort gefundene Weinpresse gilt als eine der ältesten der Welt.
Ob Vilana bereits in minoischer Zeit kultiviert wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Was DNA-Studien zeigen, ist ihre genetische Eigenständigkeit innerhalb der kretischen Rebsortenfamilie — sie ist weder ein Klon anderer Sorten noch ein rezentes Kreuzungsprodukt. Ihre isolierte genetische Position deutet auf ein hohes Alter hin.
Unter venezianischer Herrschaft (1204–1669) war Kreta eines der wichtigsten Weinbaugebiete des Mittelmeerraums. Die Venezianer exportierten kretischen Wein als 'Malvasia' in die Handelshäuser Europas. Vilana spielte vermutlich eine Rolle in diesen Weinen, auch wenn die historischen Quellen selten Sortenbezeichnungen verwenden.
Im 20. Jahrhundert wurde Vilana zur dominierenden weißen Rebsorte Kretas — allerdings überwiegend für einfache Tafelweine und die lokale Genossenschaftsproduktion. Die PDO Peza, in den 1970er-Jahren anerkannt, schrieb Vilana als Hauptsorte vor und sicherte damit ihren Fortbestand. Doch die Qualitätsrevolution erreichte Kreta erst spät — in den 2000er- und 2010er-Jahren, als eine neue Generation von Winzern begann, das Potenzial der kretischen Sorten ernst zu nehmen. Heute steht Vilana im Schatten des aufstrebenden Vidiano, verdient aber als historische Sorte Kretas Aufmerksamkeit und Respekt.
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Speiseempfehlungen
Vilana ist der geborene Tafelwein der kretischen Küche — eine Küche, die weltweit für ihre Gesundheit und ihre Einfachheit geschätzt wird. Die leichte Struktur und die kräuterbetonten Aromen der Vilana spiegeln die Aromen der kretischen Diät wider, als wären sie füreinander geschaffen.
Beginnen Sie mit den Klassikern: Dakos (Gerstenzwieback mit Tomate, Mizithra und Olivenöl), Horta (gekochte Wildkräuter mit Zitrone und Olivenöl), frischer Choriatiki-Salat mit kretischem Graviera statt Feta. Die Kräuternoten des Weins verbinden sich nahtlos mit dem wilden Oregano und Thymian, die in der kretischen Küche allgegenwärtig sind.
Zu Fisch empfehlen wir die einfachsten Zubereitungen: gegrillte Sardinen, gedämpfte Muscheln mit Knoblauch und Weißwein, oder frittierte Kalamari mit Zitrone. Vilana überlässt dem Fisch die Bühne und liefert die erfrischende Begleitung.
Ein kretischer Geheimtipp: Vilana zu Kalitsounia, den kleinen kretischen Teigtaschen mit Mizithra-Füllung, wahlweise herzhaft mit Kräutern oder süß mit Honig. Die leichte Bitterkeit des Weins harmoniert sowohl mit der herzhaften als auch der süßen Variante.
Auch zu Hülsenfrüchten zeigt Vilana Stärke: Kretische Linsensuppe mit Essig, weiße Bohnen mit Tomaten und Dill oder Fava-Püree — die bescheidene Aromatik des Weins ergänzt die erdigen Aromen der Hülsenfrüchte ohne Konkurrenz.
Serviertemperatur: 8–10 °C. Ein einfaches Glas genügt — Vilana ist ein Wein der Einfachheit, nicht der Zeremonie.
Vilana vs. Verdicchio
Vilana und Verdicchio verbindet mehr, als man auf den ersten Blick vermutet: Beide sind autochthone weiße Rebsorten, die tief in ihrer lokalen Tradition verwurzelt sind, beide erzeugen leichte, unkomplizierte Weißweine, und beide haben ein Qualitätspotenzial, das erst in den letzten Jahrzehnten ernsthaft erkundet wurde.
Verdicchio, die große weiße Rebsorte der Marken (Mittelitalien), zeigt in ihrer klassischen Form — Verdicchio dei Castelli di Jesi — Aromen von grünem Apfel, Zitrus, Mandel und eine charakteristische leichte Bitterkeit im Abgang. Die Säure ist moderat bis lebhaft, der Körper leicht bis mittel, die Textur seidig. In den Händen von Spitzenwinzern (Bucci, Sartarelli, Umani Ronchi) entwickelt Verdicchio eine bemerkenswerte Tiefe und kann jahrelang reifen.
Vilana operiert auf einem ähnlichen Terrain, aber mit einem kretischen Akzent: Ihre Aromen sind etwas wärmer (mehr Pfirsich, weniger grüner Apfel), ihre Kräuternoten intensiver (Salbei, wilder Thymian statt Mandel), ihre Textur etwas weicher. Die charakteristische Bitterkeit im Abgang ist bei beiden Sorten präsent — ein strukturelles Merkmal, das sie zu hervorragenden Essenbegleitern macht.
Der praktische Unterschied liegt im Reifepotenzial: Verdicchio der Spitzenklasse kann 10+ Jahre altern und entwickelt dabei faszinierende nussige, honigige Aromen. Vilana ist bescheidener — 2–4 Jahre sind realistisch. Doch die Alltagsversionen beider Sorten teilen denselben Charme: unkomplizierte, ehrliche Weißweine für den Tisch, die ihr Terroir mit Bescheidenheit kommunizieren.
Für CAVA-Kunden, die Verdicchio als trinkfreudigen, unkomplizierten italienischen Weißwein schätzen, ist Vilana die kretische Schwester — mit dem Bonus von 3.500 Jahren minoischer Weinbautradition im Hintergrund.
Lagerung und Trinkreife
Vilana ist ein Wein für den zeitnahen Genuss — ihre leichte Struktur und moderate Säure setzen natürliche Grenzen für die Reifung. Das optimale Trinkfenster liegt bei 1–2 Jahren nach der Ernte, wenn die Zitrus- und Kräuteraromen noch frisch und lebendig sind.
Premium-Abfüllungen von qualitätsorientierten Erzeugern wie Alexakis, insbesondere solche mit verlängertem Hefelager, können 2–4 Jahre halten. In dieser Zeit rundet sich die Textur ab und es entwickeln sich dezente Sekundäraromen von Honig und Kamille. Darüber hinaus verlieren Vilana-Weine ihre Frische und ihren Charme.
Optimale Lagerbedingungen: 8–12 °C, lichtgeschützt und vibrationsarm. Angebrochene Flaschen innerhalb eines Tages trinken — Vilana oxidiert schnell. Unser Rat: Kaufen Sie den aktuellen Jahrgang und genießen Sie ihn ohne Aufschub. Vilana ist der Wein des Augenblicks — ehrlich, bescheiden und sofort belohnend.
Häufige Fragen zu Vilana
Was ist Vilana für eine Rebsorte?
Vilana ist eine autochthone weiße Rebsorte aus Kreta und die Hauptsorte der PDO Peza. Sie erzeugt leichte, zitrusbetonte Weißweine mit Aromen von Zitrusblüte, grünem Apfel und wilden Kräutern. Vilana wächst fast ausschließlich auf Kreta und gehört zu den ältesten Rebsorten der Insel.
Wie schmeckt Vilana-Wein?
Vilana zeigt Aromen von Zitrusblüte, Limette, grünem Apfel und frischen Kräutern wie Salbei und Thymian. Am Gaumen ist sie leicht, erfrischend und unkompliziert mit moderater Säure und einer angenehmen Kamillen-Bitterkeit im Abgang. Ein ehrlicher, bodenständiger Weißwein für den Alltag.
Was ist der Unterschied zwischen Vilana und Vidiano?
Beide sind kretische Rebsorten, unterscheiden sich aber deutlich: Vilana ist leicht, zitrusbetont und bescheiden; Vidiano ist körperreich, aromatisch und üppig. Vilana ist die traditionelle Alltagssorte Kretas (PDO Peza), während Vidiano als wiederentdeckter Star der Insel gilt. Sie ergänzen sich als zwei Gesichter des kretischen Weißweins.
Welches Essen passt zu Vilana?
Vilana ist der ideale Begleiter der kretischen Küche: Dakos, Wildkräutersalat, gegrillte Sardinen, Kalitsounia und Hülsenfrüchte. Ihre leichte Struktur und kräuterbetonten Aromen spiegeln die Aromen der mediterranen Diät. Servieren Sie sie bei 8–10 °C als unkomplizierten Tischwein.
Kann man Vilana lagern?
Vilana ist für den zeitnahen Genuss konzipiert. Standard-Abfüllungen trinken Sie am besten in den ersten 1–2 Jahren. Premium-Versionen mit Hefelager halten bis zu 4 Jahre. Darüber hinaus verliert die Sorte ihre Frische und ihren Charme. Kaufen Sie den aktuellen Jahrgang und genießen Sie ihn ohne Aufschub.
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