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Weiße Rebsorte

Roditis — die rosahäutige Allrounderin aus Patras

Steckbrief

Farbe

Weiß (rosa Beerenhaut)

Heimat

Patras, Peloponnes

Wichtige Regionen

Patras, Makedonien, Attika, Thessalien

Stil

Trocken, frisch, fruchtig, vielseitig

Säure
Tannin
Alkohol

11,5–13,0 %

Geschmacksprofil

Roditis im Glas zeigt ein blasses Strohgelb, manchmal mit einem hauchzarten Kupferschimmer, der an die rosa Beerenhaut erinnert. In der Nase eröffnet sich ein frisches, einladendes Bouquet: Steinobst steht im Vordergrund — weißer Pfirsich, Nektarine, eine Spur Aprikose — begleitet von Zitrusnoten (Grapefruit, Bergamotte) und einem dezenten floralen Ton. Kräuternoten von wildem Thymian und getrocknetem Oregano verleihen dem Bouquet eine mediterrane Wärme, ohne die Frische zu überlagern.

Am Gaumen ist Roditis überraschend lebendig und trinkfreudig. Eine mittlere bis gute Säure trägt den leichten bis mittleren Körper mit Eleganz. Die Textur ist seidig, aber nie schwer — Roditis bleibt stets auf der Seite der Leichtigkeit. Noten von grünem Apfel, Birne und einem Hauch Mandel ergänzen das Geschmacksbild. Der Abgang ist mittellang, sauber und von einer angenehmen leichten Bitterkeit geprägt, die typisch für die Sorte ist. Kechris' moderne Interpretationen zeigen zusätzlich eine feine mineralische Spannung, die auf die sorgfältige Arbeit im Weinberg zurückzuführen ist. Roditis ist kein Wein, der laut um Aufmerksamkeit ruft — sie überzeugt durch entspannte Eleganz und Trinkfluss.

Wo wächst Roditis?

Roditis ist eine der geografisch am weitesten verbreiteten griechischen Rebsorten. Ihr Kerngebiet liegt in der Nordwestecke des Peloponnes, rund um Patras und die Region Achaia. Hier wächst sie auf Hügeln von 200–800 Metern Höhe, auf Kalkstein und Ton, und profitiert vom moderierenden Einfluss des Korinthischen Golfs. Die PDO Patras umfasst sortenreinen Roditis — ein Wein, der bei den besten Erzeugern erstaunliche Tiefe zeigt.

Parparousis in Patras ist einer der engagiertesten Roditis-Erzeuger der Region. Das Weingut, seit Generationen in Familienbesitz, pflegt alte Buschreben und vinifiziert mit einem Anspruch, der weit über den lokalen Standard hinausgeht. Mercouri in Ilia, eines der ältesten Weingüter Griechenlands (gegründet 1864), zeigt eine wärmere, fruchtigere Interpretation der Sorte.

In Nordgriechenland hat Roditis eine zweite Heimat gefunden. Kechris bei Thessaloniki verwendet Roditis als Basis für seinen preisgekrönten 'Tear of the Pine' — einen modernen Retsina, der die Sorte mit Pinienharz zu einem überraschend zeitgemäßen Wein verbindet. Die kühleren Nächte Makedoniens verleihen dem nordgriechischen Roditis eine höhere Säure und mehr Frische als die peloponnesischen Pendants.

Roditis ist bemerkenswert trockenheitsresistent und anpassungsfähig — Eigenschaften, die sie in Zeiten des Klimawandels zunehmend wertvoll machen. Ihre Fähigkeit, auch in heißen Jahrgängen Frische zu bewahren, beruht auf einer natürlich späten Reife: In Patras wird sie oft erst Ende September, Anfang Oktober gelesen.

Geschichte und Bedeutung

Roditis ist eine der ältesten identifizierbaren griechischen Rebsorten. Ihr Name — vom griechischen 'rodino' (rosa) — verweist auf die charakteristische rosa bis kupferfarbene Beerenhaut, die sie von den meisten 'weißen' Rebsorten unterscheidet. Ampelographische Studien ordnen sie der großen peloponnesischen Rebenfamilie zu, die seit der Antike in der Region verwurzelt ist.

Historisch war Roditis neben Savatiano die wichtigste Rebsorte für Retsina. In Patras, Achaia und den umliegenden Regionen diente sie als Arbeitspferd des alltäglichen Weinkonsums — ein Tafelwein, den man literweise trank, ohne viel nachzudenken. Diese Rolle war ehrenwert, aber sie verhinderte jahrzehntelang eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Qualitätspotenzial der Sorte.

Die Wende kam in mehreren Schritten. In den 1980er-Jahren begannen einige peloponnesische Winzer, Roditis sortenrein und mit modernen Methoden auszubauen — die Ergebnisse überraschten selbst Skeptiker. In den 2000er-Jahren gelang Kechris mit dem 'Tear of the Pine' ein Durchbruch: ein Retsina, der die International Wine Challenge gewann und zeigte, dass auch geharzter Wein auf höchstem Qualitätsniveau produziert werden kann.

DNA-Analysen haben ergeben, dass Roditis möglicherweise ein Elternteil oder enger Verwandter mehrerer anderer griechischer Sorten ist — ein Hinweis auf ihr hohes Alter und ihre genetische Bedeutung. Die Sorte existiert in zahlreichen Klonen, von denen der 'Alepou' (Fuchsrote) als der qualitativ hochwertigste gilt. Heute sehen viele griechische Önologen in Roditis die Sorte mit dem größten ungenutzten Potenzial des Landes.

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Speiseempfehlungen

Roditis ist der ultimative Alltagswein — und das ist ein Kompliment. Ihre Vielseitigkeit bei Tisch ist kaum zu übertreffen. Beginnen Sie mit dem Offensichtlichen: griechische Meze in ihrer ganzen Vielfalt. Tzatziki, Taramosalata, Fava (Erbsenpüree), Dolmadakia, Spanakopita — Roditis begleitet sie alle mit unauffälliger Perfektion. Die moderate Säure und die leichte Struktur lassen den Speisen den Vortritt.

Zu Fisch und Meeresfrüchten ist Roditis ein verlässlicher Partner: gegrillte Sardinen, gebratene Marides (Sardellen), Tintenfisch vom Grill oder eine einfache Pasta mit Venusmuscheln. Besonders gelungen ist die Kombination mit frittierten Meeresfrüchten — die Säure schneidet durch das Fett, die Frische erfrischt den Gaumen.

Roditis glänzt auch zu Geflügel- und Schweinegerichten leichterer Art: Hühnersouvlaki, Schweinekoteletts vom Grill mit Zitrone, oder eine klassische griechische Avgolemono-Suppe. Die kräuterbetonten Aromen des Weins verbinden sich nahtlos mit Oregano, Thymian und Zitrone in der Küche.

Für Kechris' 'Tear of the Pine'-Retsina empfehlen wir mutig: thailändisches Pad Thai, indisches Butter Chicken oder japanische Gyoza. Die Harznote schafft überraschende Brücken zu asiatischen Gewürzen — eine der aufregendsten Food-Pairing-Entdeckungen der letzten Jahre.

Serviertemperatur: 8–10 °C für junge Weine, 10–12 °C für Premium-Abfüllungen.

Roditis vs. Pinot Grigio

Roditis und Pinot Grigio teilen mehr als nur eine rosafarbene Beerenhaut, die zu Weißwein verarbeitet wird. Beide sind Arbeitspferde ihrer jeweiligen Weinbauländer, beide werden oft als einfache, unkomplizierte Weißweine verkauft — und beide besitzen ein Qualitätspotenzial, das nur die besten Erzeuger auszuschöpfen verstehen.

Pinot Grigio in seiner norditalienischen Standardversion — Trentino, Venezien, Friaul — ist der Inbegriff des leichten, erfrischenden Weißweins: Aromen von grünem Apfel, Birne und Zitrus, eine dezente Säure, ein schlanker Körper, ein sauberer Abgang. Er ist angenehm, unkompliziert und sofort trinkfertig. In den Händen von Spitzenwinzern (Alois Lageder, Jermann, Venica) zeigt Pinot Grigio jedoch Tiefe, Mineralität und sogar Lagerfähigkeit.

Roditis bewegt sich auf einem bemerkenswert ähnlichen Terrain. Der Standard-Roditis ist frisch, fruchtig und trinkfreudig — ein Wein für den Moment. Die Aromatik ist etwas wärmer als bei Pinot Grigio: mehr Pfirsich, mehr Kräuter, mehr mediterrane Sonne. Die Säure liegt auf vergleichbarem Niveau, der Körper ebenfalls. Der Schlüsselunterschied: Roditis besitzt eine kräuterbetonte, fast herbe Note, die Pinot Grigio fehlt — ein Abdruck des griechischen Terroirs.

Bei Qualitätserzeugern wie Parparousis oder Kechris erreicht Roditis eine Komplexität, die an die besten friulanischen Pinot Grigios erinnert. Für CAVA-Kunden, die Pinot Grigio als unkomplizierten Feierabendwein schätzen, ist Roditis die natürliche griechische Alternative — mit dem Bonus einer 3.000-jährigen Geschichte und eines Hauch wilder Kräuter im Glas.

Lagerung und Trinkreife

Roditis ist in der Regel ein Wein für den zeitnahen Genuss. Standard-Abfüllungen zeigen sich in den ersten 1–2 Jahren von ihrer besten Seite, wenn die Frische und die Frucht noch lebendig sind. Die leichte Struktur und die moderate Säure limitieren das Langzeitpotenzial.

Ausnahmen bilden Premium-Selektionen mit niedrigen Erträgen und sorgfältigem Ausbau: Parparousis' alte Reben-Roditis oder Kechris' Spitzenabfüllungen können 3–5 Jahre reifen und entwickeln dabei interessante Sekundäraromen von Nuss, Honig und getrockneten Kräutern. Diese Weine sind jedoch selten und stellen die Ausnahme dar.

Optimale Lagerbedingungen: 8–12 °C, lichtgeschützt. Angebrochene Flaschen innerhalb von 1–2 Tagen trinken. Unser Rat: Genießen Sie Roditis jung, frisch und ohne Zeremonien — er ist der ehrlichste Trinkwein Griechenlands.

Häufige Fragen zu Roditis

Was ist Roditis für eine Rebsorte?

Roditis ist eine rosahäutige griechische Rebsorte, die zu Weißwein verarbeitet wird. Ihr Name leitet sich vom griechischen 'rodino' (rosa) ab. Sie ist nach Savatiano die am zweithäufigsten angebaute weiße Rebsorte Griechenlands und erzeugt frische, fruchtige Weine mit Aromen von Pfirsich, Zitrus und wilden Kräutern.

Wie schmeckt Roditis-Wein?

Roditis bietet Aromen von weißem Pfirsich, Nektarine, Grapefruit und wildem Thymian mit einer seidigen Textur und moderater Säure. Am Gaumen ist er leicht, erfrischend und trinkfreudig mit einem sauberen, leicht bitteren Abgang. Sein Charakter erinnert an guten Pinot Grigio, aber mit einer kräuterbetonten, mediterranen Note.

Ist Roditis nur ein Retsina-Wein?

Nein, obwohl Roditis traditionell als Basis für Retsina diente, wird sie heute zunehmend als eigenständiger Qualitätsweißwein ausgebaut. Erzeuger wie Parparousis in Patras und Mercouri in Ilia zeigen das volle Potenzial der Sorte. Gleichzeitig beweist Kechris mit seinem preisgekrönten Retsina, dass auch geharzter Roditis Spitzenqualität erreichen kann.

Welches Essen passt zu Roditis?

Roditis ist ein vielseitiger Tafelwein, der zu griechischen Meze, gegrillten Sardinen, frittiertem Fisch, Hühnergerichten und der gesamten mediterranen Küche passt. Sein leichter Charakter macht ihn zum idealen Mittagswein und Aperitif. Servieren Sie ihn bei 8–10 °C als unkomplizierten Begleiter.

Warum ist Roditis rosahäutig aber weißer Wein?

Wie Pinot Grigio und Moschofilero hat Roditis eine rosa bis kupferfarbene Beerenhaut, wird aber durch schnelles Pressen ohne Maischekontakt zu Weißwein verarbeitet. Die Farbstoffe der Haut gelangen nicht in den Most. Einige Winzer nutzen kurzen Hautkontakt für einen leichten Kupferschimmer — dies bleibt aber selten.